Eine zweite Meinung zur Problematik der Bargeldabschaffung erhielten wir von Herr Schlosser, einem Mitarbeiter der Bundesbank. Ein herzliches Dankeschön für die Beantwortung unserer per Mail geschickten Fragen und dafür, dass Sie uns einen Einblick in die Position der Bundesbank ermöglicht haben.

 

Was spricht für die Abschaffung des Bargelds?

 

In der Wissenschaft gab es in jüngster Zeit Stimmen, die die Abschaffung oder teilweise Zurückdrängung des Bargelds fordern. Hier geht es im Wesentlichen darum, dass Bargeld den geldpolitischen Handlungsspielraum begrenze: Die Ausweichoption Buchgeld in Bargeld zu tauschen verhindere, dass die Notenbanken den geldpolitischen Leitzins deutlich unter Null drücken könnten. Mit der Abschaffung des Bargelds als Wertaufbewahrungsmittel ließen sich neue geldpolitische Handlungsspielräume gewinnen. Bislang sind die Bürgerinnen und Bürger im Regelfall von Negativzinsen nicht direkt betroffen, da Kreditinstitute die Kosten der Minuszinsen grundsätzlich nicht an ihre Kunden weitergeben.

 

Andere Argumente für die Abschaffung des Bargelds beziehen sich auf die Nutzung von Bargeld für schattenwirtschaftliche oder kriminelle Aktivitäten. Die politische Diskussion wird auch bei dieser Frage sehr kontrovers geführt. Die Bundesbank unterstützt selbstverständlich alle Maßnahmen, die kriminelle oder terroristische Aktivitäten erschweren. Gleichwohl erkennen wir bislang keinen signifikant nachweisbaren Zusammenhang zwischen dem Umfang der Kriminalität und der Verfügbarkeit von Bargeld, insbesondere auch von Banknoten in hoher Stückelung. Daher scheint es aus meiner Sicht sehr fraglich, ob eine Abschaffung des Bargelds das organisierte Verbrechen bei der Abwicklung illegaler Geschäfte wirksam bekämpfen könnte. Eher ist davon auszugehen, dass das organisierte Verbrechen andere Wege finden würde, um sich auch ohne Bargeld finanzieren zu können. Ausweichreaktionen könnten zum Beispiel in ausländischen Währungen erfolgen, in Edelmetallen oder anderen werthaltigen Objekten.

 

Öfter hört man das Argument, dass es bei einer Abschaffung des Bargelds kein Falschgeldaufkommen mehr gibt. Im Falle einer Abschaffung des Bargelds wären die Probleme von Bargeldfälschungen natürlich beseitigt. Doch bei einem aktuellen Schaden durch das Falschgeldaufkommen in Deutschland in Höhe von etwa 4 Millionen Euro, kann man - verglichen mit einem vielfachen Schadensvolumen durch kriminelle Machenschaften im Zusammenhang mit Kredit- oder Bankkundenkarten - von einer relativ geringen Größenordnung sprechen. Unter diesem Blickwinkel bewerte ich persönlich das Problem des Falschgeldaufkommens als nicht prioritär.

 

Unsere Kernbotschaft lautet: "Bargeld ist das Geld der Bürger". Die Bundesbank überlässt es den Bürgerinnen und Bürgern, sich frei zu entscheiden, welches Zahlungsmittel sie aktuell und in der Zukunft nutzen. Bargeld bleibt gesetzliches Zahlungsmittel und wird auch künftig eine wichtige Rolle bei den täglichen Einkäufen, als Recheneinheit sowie als Wertaufbewahrungsmittel einnehmen.

 

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